Die Körnerlinde und die Geschichte drumherum

 

Erfahren Sie hier den Zusammenhang zwischen dem Dichter Theodor Körner und dem dicksten Baum im Vogtland.

Herzlich willkommen zu einem kleinen Ausflug in dieVergangenheit.

Unser Eichigt ist, das wissen nur die wenigsten, im Zusammenhang mit den Kämpfen zur Befreiung Deutschlands von der Napoleonischen Fremdherrschaft, ein geschichtlich interessanter Ort.

Am 8. und 9. Juni 1813 hatten die Schwarzen Jäger unter Führung des preuß. Generals Ludwig Adolf Wilhelm Freiherr von Lützow ihr Biwak in Eichigt auf der Husarenwiese neben der Kirche aufgeschlagen. Während Lützow bei Pfarrer Johann Christian Wirth gastliche Aufnahme fand, war Körner bei seinen Kameraden im Biwak.

Die auf der Wiese stehende Linde erhielt aus diesem Grunde den Namen Körnerlinde.

Es ist ein jahrhundertealter Baum, der als Naturdenkmal für die Eichigter wie ein Wahrzeichen ist.

Wer war das eigentlich, dieser Theodor Körner?

Warum trägt ausgerechnet ein Lindenbaum seinen Namen?

Wir beginnen in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden. Hier wurde Körner geboren,

am Kohlmarkt in der Dresdner Neustadt, ein Sachse also.

Carl Theodor Körner erblickte am 23. September 1791 das Licht der Welt. Theodor hatte eine drei Jahre ältere Schwester Emma, mit der ihn innige Geschwisterliebe verband.

Sie war es, die das letzte Bild Theodors in der Uniform eines Lützower Jägers bei einem heimatlichen  Aufenthalt im April 1813 schuf.

 

1808 begann er sein Studium an der Bergakademie Freiberg. Dort wurde er vom Geologen Abraham Gottlob Werner gefördert. Zunächst interessierte er sich mehr für die praktische Seite, fuhr in Bergmannstracht unter Tage und fühlte sich bei der harten Arbeit mit der mächtigen Natur verbunden. Später wandte er sich allerdings der theoretischen Seite zu. Häufige ausgedehnte Fußreisen führten ihn von Dresden über das Elbsandsteingebirge ins Böhmische Mittelgebirge und ins Riesengebirge. Eine reichliche Auslese von Naturpoemen war die Folge.

Bereits 1810 erschien eine erste Sammlung seiner Gedichte unter dem Titel"Knospen".

Ab August 1810 ging er zum Studium nach Leipzig und begann Geschichte und Philosophie zu studieren. Im wilden Studentenleben der Zeit erschien Körner als einer der wildesten. Leipzig musste er nach einem verbotenen Duell verlassen und er wechselte 1811 nach Berlin.

Weiter hörte Körner Vorlesungen bei Fichte, sang in der Zelterschen Sing-Akademie zu Berlin und turnte unter Jahn und Friesen.  

 

Nach Heidelberg wollte, nach Wien musste der allzu temperamentvolle Student nun gehen. Sein Vater wünschte es so.

 

In Wien hatte er freundschaftliche Kontakte zu Bekannten aus seinem Elternhaus.

Freundliche Aufnahme fand er bei der Baronin Henriette von Pereira-Arnstein, wo er häufig seine Gedichte vortrug.

Sie war dabei Gastgeberin bedeutender Künstler wie Beethoven, Liszt, Mendelssohn Bartholdy.

Im Jahr 1812 wurde er als Theaterdichter ans Burgtheater berufen.

Hier am Burgtheater lernte er die hübsche sowie talentierte Schauspielerin Antonie Adamberger, eine Tochter des bereits verstorbenen und von Mozart sehr geschätzten Hofsängers Adamberger kennen.

Eine tiefe Leidenschaft ergriff Körner und noch 1812 verlobten sich beide.

Beethoven komponierte speziell für Antonie Adamberger die Lieder des Klärchens für seine Schauspielmusik zu Goethes Egmont.

Bereits im Februar schrieb Körner an seinem Drama Toni, in dem seine Verlobte später die Hauptrolle übernahm. Körner widmete ihr bis zu seinem Tod mehrere Gedichte.

Eine glanzvolle Karriere als Dramatiker schien Körner offenzustehen, denn sowohl vom Fürsten Lobkowitz als auch vom Grafen Pálffy erhielt er Anstellungsverträge als Theaterdichter. Er entschied sich für die Stelle am Burgtheater und trug als solcher den Titel eines k.k.Hoftheaterdichters.

Auf diese Weise lernte er auch Ludwig van Beethoven näher kennen, für den er im Februar 1813 das Opernlibretto „Ulysses' Wiederkehr“ entwarf.

Aber bereits im März 1813 kündigte er diese Stelle, als Preußen sein Volk im Kampf gegen Napoleon zu den Waffen rief.

So schreibt der junge Dichter Theodor Körner an seinen Vater: „Ich will das hier gewonnene glückliche und sorgenfreie Leben mit Freude hinwerfen, um, sei’s auch mit meinem Blute, mir ein Vaterland zuerkämpfen.“

Er hat soeben den Entschluss gefasst, das Leben des arrivierten, gutbezahlten Poeten mit dem Dasein in Kampf und Pulverdampf als Soldat der Befreiungskriege zu tauschen.

Er meldet sich zur »Schaar der Rache«, zum Freikorps des Majors Lützow, das sich gerade in Breslau formierte. Er traf unter den dort enrollierten Patrioten, d. h. im militärischen angeworbene,  gute alte Bekannte wie Jahn und Friesen wieder.  

Körner, der durch frühere tagelange Wanderungen durch Böhmenund Sachsen an ermüdende Märsche gewöhnt ist, ließ sich zunächst der Infanterie zuteilen, die in Zobten (Schlesien) Quartier bezog.

Das Freikorps hatte eine enorme propagandistische Wirkung: Freiwillige aus fast allen deutschen Gebieten trafen zusammen und warben aus ihrer Heimat weitere Freiwillige für diesen, oder einen anderen Verband.

Die damals durchaus ungewöhnlich schwarze Farbe der Lützowschen Uniform,  die riskanten Unternehmungen der Freischar und die berühmten Mitglieder, dies entwickelte sich rasch zum Mythos und mobilisierte weitere Kräfte in Form von Spenden und Unterstützung aus der Zivilbevölkerung. Die Uniformfarbe schwarz rührte daher, dass dies der einzige Farbton war, der sich durch die Einfärbung der vorhandenen verschiedenen Tuchvorräte herstellen ließ.

                        

Die Farben der Uniform, neben dem schwarzen Stoff ein roter Kragen und goldene Knöpfe, flossen in die Farbgebung der deutschen Fahne ein


 

„Frisch auf, ihr Jäger, frei und flink“ sowie andere Gedichte schrieb Körner in rascher Folge. Schnell wurden sie zu bekannten Melodien von seinen Kameraden gesungen. Ein von ihm verfasster Choral erklang zur Einsegnung des Korps in der Dorfkirche zu Rogau bei Oppeln am 27. März.

 

Am 6. April erreichte der Dichter sein heimatliches Dresden. Er eilte seinem Korps als Marschkommissar voraus und besuchte seine Familie.

 

Die Lützowsche Schar stand am 24. Mai noch bei Stendal. So hatten sie keine Gelegenheit, an den sich vornehmlich weiter südlich abspielenden Kampfhandlungen teilzunehmen.

Verdrossen meldete der tatendurstige Dichter, der mittlerweile zum Leutnant befördert worden war, nach Hause: „Derweilen sitze ich hier an der Elbe und recognoscire, und finde nichts, sehe nach Westphalenüber, und sehe nichts, lade meine Pistolen, und schieße nichts.“ (Rekognoszieren bedeutet  im militärischen Sinne aufzuklären bzw. zu erkunden.)

Am 24. Mai trat der Dichter zur Kavallerie über, um den Ritt nach dem Vogtlande mitmachen zu können.  

 

Am 8. und 9. Juni schlugen die Lützower Jäger ein Biwak  mit jeweils rund 400 Mann Infanterie und Kavallerie hier in Eichigt, hinter den feindlichen Linien im sächsischen Vogtland, auf, ein Angriff auf das nur 20 km entfernte Hof in Oberfranken war geplant, um die Hofer für den Kampf gegen Napoleon zu gewinnen.

 

Das Biwak lagerte, entsprechend den geschichtlichen Aufzeichnungen, auf einer Wiese zwischen Klosterschenke und Hauptstraße, der damalige Kirchsteig.

Dieser dort befindliche Gebäudekomplex müsste die beschriebene Klosterschänke sein.  Mittlerweile ist es der Hof von unserem ehemaligen Bürgermeister Karlheinz Penzel.

In ungefähr diesem Bereich liegt die Husarenwiese, auf welcher die schwarzen Jäger ihre Zelte aufgeschlagen haben.

Während der Schriftsteller und Dichter Theodor Körner im Lager nächtigen musste, fand Lützow im  Pfarrhaus bei Johann Christian Wirth eine Unterkunft.

 

Körner schrieb von Eichigt aus einen Brief an seine Gönnerin Henriette von Pereira-Arnstein nach Wien, in welchem er berichtet: »Im Bivouac vor Auchigt zwischen Plauen und Hof am 9. Juni. Ich bin gesund und frisch, habe als Adjutant des Majors den verwegensten Zug mitgemacht, den man ausdenkenkann. Wir sind (als) ein kleiner Haufe mitten durch die Feinde von Stendal an der Niederelbe hierher an die Grenze von Bayreuth gejagt; seit dem 29. Mai bin ich nicht vom Pferde gekommen, habe nur reitend geschlafen und mit eigenen Händen einige Gefangene gemacht.

Trotz dieser ungeheuren Anstrengung bin ich stark und munter und freue mich der Verwegenheit dieses Lebens. «

Ebenfalls historisch belegt ist, von Lützow schrieb zwei Berichte über die Erfolge seiner Unternehmungen an den Feldherrn Gebhard Leberecht von Blücher, datiert Eichigt, 8. Juni 1813.

 

Mittlerweile wurde am 4. Juni zwischen Franzosen, Russen und Preußen ein Waffenstillstand beschlossen.

Ohne Kenntnis dessen, denn es war noch nicht die Zeit von E-Mail, Facebook und Co., da überfielen die Schwarzen Jäger am 8. Juni Hof um die Stadt zu rekognoszieren, oder im Handstreich zu nehmen.

Diese Aktion war aber am Ende des Tages nicht von Erfolg gekrönt, die Hofer setzten sich zur Wehr.

Von den Geschehnissen dieser Tage in unserer Region liest man in einem 1897 erschienenen Heft vom kgl. Gymnasiallehrer Rudolph Schwenk: „Die Nacht vom 8. zum 9. verging im Ganzen ohne weitere Vorfälle, die Tore wurden noch stärker verrammelt, das Bataillon stand größtenteils in den Straßen der Stadt. Nach Mitternacht traf ein Eilbote von Plauen ein mit der amtlichen Nachricht von dem Abschluss des Waffenstillstandes zwischen den beiden Armeen der Franzosen einerseits und der Russen und Preußen andererseits.“

 

Weiter kann man lesen: »... Gegen Morgen fuhr daher ein Offizier als Parlamentär mit einem Schützentrompeter nach Döberlitz, welches Dorf der Rittmeister v. Kropff besetzt hielt, (während Lützow selbst 3 Stunden weiter zurück bei Eichigt stand) und händigte jenem einen Brief des Majors von Vincentien, worin derselbe Mitteilung von dem inzwischen geschlossenen Waffenstillstande machte und sich mangels eines amtlichen Schriftstücks mit seiner Ehre für die Richtigkeit dieser Nachricht verbürgte.

Der Rittmeister wollte hiervon nichts wissen und bestand auf Fortsetzung der Feindseligkeiten, doch schickte er sofort 2 Ordonanzen mit einer bezüglichen Meldung an Major v. Lützow nach Adorf. Welche denselben, da er bereits wieder nach Plauen abgerückt war, nicht mehr trafen und diese Meldung nach längerem Umherreiten erst am 11. in Plauen überbrachten. ...«

 

Welche niederschmetternde Wirkung die Botschaft von der misslungenen Überrumpelung Hof´s und der unvermuteten Waffenruhe auf die Lützower hatte, kann man sich leicht vorstellen. So hatte man den weiten und gefährlichen Zug vergebens unternommen. Musste man nun hier auf weitere Erfolge verzichten und den Säbel müßig in die Scheide stecken.

Alle Pläne Lützows für das Vorgehen auf Bayreuth und Thüringen wurden durch den Waffenstillstand zunichte gemacht.

Vom Vogtland aus, setzten die Lützower ihren Weg nach Norden fort. 

 

Am 17. Juni 1813 bezogen sie südwestlich von Leipzig ihr Lager. Württembergische Truppen unter General Normann stellten sich ihnen entgegen. Normann versicherte Lützow, der in Begleitung Körners vorangeritten war, keine feindlichen Absichten zu hegen, und verwies im Übrigen auf den kommandierenden französischen General  

François Fournier, dieser aber schleuderte ihnen nur entgegen: „L’armistice pour tout le monde, excepté pourvous!“ [„Der Waffenstillstand gilt für alle, nur für Sie nicht!“]

Die französische und württembergische Kavallerie war an dieser Stelle zahlenmäßig überlegen, verstellte den Schwarzen Jägern bei Kitzen den Weg und griff an.  

 

Ein Teil von Lützows Kavallerie wurde niedergemacht, 105 Lützower fielen und 300 flohen.

Körner wird bei diesem Kampf schwer verwundet, drei Säbelhiebe treffen ihn am Kopf. Gemeinsam mit Lützow gelang ihm die Flucht nach Großzschocher, wo er sich in einem Gehölz verbarg.

Dem Tode nahe schrieb er dort das Sonett Abschied vom Leben.

Als sich Körner einigermaßen stabilisiert hatte, wurde er von Freund zu Freund nach Karlsbad dirigiert. Dabei verbrachte er auch eine Nacht bei seiner Pflegeschwester Julie von Einsiedel auf Burg Gnandstein im Leipziger Land. In Karlsbad wurde er von seiner Patentante Elise von der Recke gepflegt. Ein Wiedersehen mit seinen Eltern, die ganz in der Nähe in Teplice weilten, wurde nicht unternommen. Seine leidende Mutter sollte geschont werden.

Der Kämpfer für die Freiheit wurde nach seiner Genesung nicht müde und schloss sich wieder seiner Truppe an.

Bei seinem Patenonkel Graf von Geßler in Reichenbach zu Gast, trifft er dort neben Freiherrn vom Stein, Arndt, Blücher und Gneisenau. Über Berlin gelangte er zu seiner nun in Norddeutschland kämpfenden Truppe, die ihre Unabhängigkeit eingebüßt hatte und dem Korps Wallmoden zugeordnet worden war.

Fortwährend wurden wieder kleine Streifzüge durchgeführt. Den Abend des 25. August verbrachte Körner mit einer Streifschar unter Lützow´s Führung auf dem Rittergut zu Gottesgabe. Er soll hier am Klavier gesessen und das zwei Tage zuvor entstandene Schwertlied vorgetragen haben.

In der zweiten Morgenstunde des 26. August 1813 wurde ein feindlicher Transport gemeldet.

 

Bald darauf erfüllt sich das Schicksal des noch nicht ganz 22-jährigen Dichters und Freiheitskämpfers.  

 

Es geschieht bei einem Zusammenstoß mit dem Feind auf der Straße von Gadebusch nach Schwerin in Mecklenburg.

Der Kampf Mann gegen Mann wird außerordentlich hart gefochten. Lützow lässt  »Retraite«, Rückzug, blasen. Doch sein Adjutant Körner will die Verfolgung des Feindes nicht aufgeben. Bei dem folgenden Gefecht, das sich im Forst von Rosenow bei Gadebusch abspielte, fiel Theodor Körner.

Es trifft ihn eine Kugel unterhalb des Herzens. Mit den Worten „Da hab ich eins, es schadet aber nichts“ sank er tot vom Pferd in die Arme eines Oberjägers.

Reiterlos jagt sein Schimmel fort. Man legt den Verewigten auf einen der erbeuteten Wagen des Feindes. Sein Lützower Kamerad und Augenzeuge berichtet: »Alle sind sprachlos, bleich vor Schmerz; uns gebricht es an Worten und Tränen«.

Leutnant Körner ist gefallen!

Seine Leiche war gerade in das letzte Dorfhaus getragen. In diesem und um das Haus herum drängte sich nun die schwarze Schar, stumm und ergriffen. Aller Sang im Lager war verstummt; überall Stille. Auf dem ungestrichenen Stubentische lag, auf Eichenlaub und wilden Blumen gebettet, Theodor Körner tot ausgestreckt, neben ihm, ebenfalls auf einem Bette von Eichenlaub, auf dem Ziegelsteinboden seine drei gefallenen Waffengefährten. Seine Augen waren geschlossen, seine Lippen trugen noch das frohe Lächeln. Zwei von seinen Kameraden, beides Künstler, zeichneten sein Gesicht, das wie in glücklichem Schlaf ruhte, einen Eichenkranz um die Stirn.

Als Grabstätte ward der Platz unter der größten der beiden Eichen gewählt.

Theodor Körners eigenes herrliches Gedicht mit Namen "Gebet", ward sein Grablied.

Als Kampfruf erschallt »Lützows wilde, verwegene Jagd«, während der Verstorbene unter der nachmaligen Theodor-Körner-Eiche, bei Wöbbelin begraben wird.

Der Herzog Friedrich Franz von Mecklenburg-Schwerin schenkte später den die Eiche umgebenden Platz Körners Vater.

Mittlerweile ist die Grabstätte umfriedigt und durch ein gußeisernes Denkmal bezeichnet, unter dem auch Körners Vater, seine Mutter und Tante Dora Stock ruhen. Ebenso liegt seine einzige Schwester Emma, die im März 1815 dem Gram über des Bruders Verlust erlag, an jener Stelle begraben.

 

Körners teils stürmische, teils gefühlvolle Lyrik entsprach der ebenso romantischen wie vaterländisch kampfbereiten Gesinnung der Generationen in Deutschland. Seine Gesänge entstehen auf Vorposten und bei Wachtfeuer, unmittelbar vor oder nach dem Kampf, der ihn als furchtlosen Streiter fand. Körners Sterben als Lützower Jäger erhob ihn zur vorbildhaften Gestalt.

 

 

 

 

Text: Gunter Eniglein

 

Quellen: Internetrecherche